Unser Schützenverein vom Zweiten Weltkrieg bis zum Jahr 1962

Erneuter Rückschlag

Mit dem zweiten Krieg innerhalb von 25 Jahren kam im Jahr 1939 das Vereinsleben mehr oder weniger zum Erliegen. Schützenfeste wurden jeden­falls nicht mehr gefeiert. Wieder mussten, wie schon im Ersten Welt­krieg, viele junge Männer an die Front. Dieses Mal waren es aus Graes 101 Ehemänner und Söhne, die nicht zurück­kehrten. Der Schützenverein hält die Erinnerung an sie wach und hat ihre Namen im Ehrenmal auf Gedenktafeln festgehalten.

 

Die ersten Schützenfeste nach dem Zweiten Weltkrieg

Wenn es auch vier Jahre dauerte und viele Familien noch um ihre Gefallenen und Vermissten trauerten oder in Ungewissheit über deren Schicksal leben mussten: Langsam aber sicher kam das Vereins­leben wieder in Gang, und im Jahr 1949 wurde in Graes das erste Schüt­zenfest nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert. Ein Rückblick des Schrift­führers Heinrich Wittebuer aus dem Brook, direkt nach dem Fest aufgezeichnet, berichtet über die Umstände:

„Der Allgemeine Schützenverein Graes feierte am 15. und 16. Mai 1949 sein erstes Schützenfest nach dem unseligen, verlorenen Krieg... Alter König waren Her­mann Meier und Königin Paula Meier geborene Witte-Bröker. Als Ehren­­damen fungierten Gertrud Gerwing und Chri­stine Tom­brink. Herr Hermann Meier war als Ersatz für Hubert Dües, der in Russland gefallen ist.

Zum ersten Male war es uns durch Verfügung der Besatzungsmacht nicht gestattet, Schusswaffen zu gebrauchen, und wir haben auf die Waffen unserer Vorfahren zurückgreifen müssen und mit der Armbrust den stolzen Adler herunterholen müssen. Wenn es auch nicht knallte, so machte es doch Laune, und bei starkem Wettbewerb gelang es Herrn Ludwig Plate, den Rest herunterzuholen, der sich als Ludwig I. Fräulein Hedwig Hiller als Königin erkor. Ehrendamen waren Fräulein Ursula Söbbing und Maria Meier. Ehrenherren: Bernhard Thiemann und Erich Epping. Das Fest verlief in schönster harmonischster Weise.

Festwirt war der Vereinswirt Hermann Wessling, das Festzelt lieferte Herr Hubert Elkemann [der zu jener Zeit einen Zeltverleih betrieb]. Amtsbürger­meister: Herr Heinrich Hassel-Kappelhoff; Amtsdirektor: Herr Heidemann; Pfarrer von Graes: Herr Anton Schulten. Die Königswagen stellten Herr Paul Plate und August Elfering."

Im Jahr 1949 hatte sich die Bundesrepublik Deutschland gegründet, was auch zur Folge hatte, dass das strenge Besatzungsrecht, nach dem Zusam­men­­bruch 1945 über Deutschland verhängt, im Jahr 1950 außer Kraft gesetzt wurde und die Schützen dem Schützenvogel wieder mit den vorher üblichen Schuss­waffen zu Leibe rücken konnten. Bei den Ausgaben schlägt das mit einer Leih­­­gebühr von 25 DM (Beleg „Gewehre Kappelhoff") zu Buche. Und – wen wunderts – auch die Gemeinde­verwaltung hielt die Hand auf und verlangte 54,30 DM an Ver­­­­­­­­­gnügungs­steu­ern. Das Geld des Vereins reichte dann aber doch noch, eine neue Vogelstange anzuschaffen. Schreinermeister Bernhard Wess­ling kassierte dafür 32 DM, Malermeister Heinrich Wilde stellte für den Anstrich (schwarz und weiß abgesetzt) 26,50 DM in Rechnung. Ferner leistete sich der Verein den „Luxus" von 100 Schützenfedern (je 1,50 DM) und 12 Ansteckabzeichen (je 0,90 DM) für seine Vorstandsmitglieder.

Wir merken, es ging wieder aufwärts.

Von 1949 bis 1952 feierte der Schützenverein sein Schützenfest alljähr­lich. Den Zwei-Jahre-Rhythmus aus der Vorkriegszeit gab man für kurze Zeit auf, da der Kriegerverein noch verboten war und nicht, wie sonst üblich, in den Jahren mit den ungeraden Zahlen ihr „Kriegerfest" feiern konnte. Ab 1954 ging es dann wieder im alten Turnus weiter. Doch auch das hatte bald wieder ein Ende. Ab 1963 feierte man wieder jährlich.

 

Vorstand und Offiziere in den ersten Nachkriegsjahren

Vorsitzender Heinrich WesslingAus dem vorhin erwähnten Rückblick des Schriftführers Heinrich Witte­buer kennen wir die Namen der Vorstandmitglieder und des Offi­ziers­korps, die 1949 in ihre Ämter gelangten. Vorsitzender war Heinrich Wess­ling, Brink, und damit Nachfolger des letzten Vorkriegsvorsitzenden Edu­ard Söbbing (Rexing), der zwischenzeitlich nach Aver­esch gezogen war. Heinrich Wess­ling blieb Vorsitzender bis 1974.

Als erster Schriftführer nach dem Krieg fungierte Heinrich Wittebuer, siehe vorher, aus dem Brook, wie schon seit 1926. Die von ihm gemachten Aufzeichnungen und Buch­­füh­rungen geben erstmals eine brauchbare Übersicht über die Geschäfte des Vereins. Kassierer war Hubert Elkemann.

Das Offizierskorps wurde angeführt von Oberst Heinrich Bründermann. Leider konnte er dieses Amt nur wenige Jahre ausüben. Im Juli 1954 erlag er auf einer Straße in Epe einem Herzinfarkt. Sein Nachfolger wurde nach Aussage eines Zeitzeugen Georg Berges-Hewing (Schriever). Belege darüber gibt es nicht, weshalb seine Amtsdauer auch nicht genau ermittelt werden konnte. Vieles spricht dafür, dass er diese Aufgabe nur für ein Jahr übernommen hat.

In der Jubiläumsschrift von 1977 ist die Rede von Oberst Heinrich Elkemann und davon, dass er von Heinrich Fleer, seit 1958 Hauptmann, in diesem Amt beerbt wurde. Gemeint sein kann nur Bauer Heinrich Elkemann. Sein Namens­vetter Heinrich Elkemann (Merten) ist zwar auch als Oberst bezeugt, war aber schon 1957 gestorben. Bauer Heinrich Elkemann starb 1960 im Alter von 81 Jahren. Er hätte damit noch in hohem Alter als Oberst „seinen Dienst getan", was doch eher unwahrscheinlich ist. Zu nennen wäre für diese Zeit auch Franz Bulk, der auf Fotos immer wieder als Oberst und Major zu identifizieren ist. Hinter den Obersten stand über viele Jahre Major August Korthoff. Er diente in dieser Funktion bis etwa 1964.

Oberst Franz Bulk Oberst Heinrich Fleer Major August Korthoff

Her­mann Röskenkem­per übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg wieder den „Befehl" über die Graeser Schützenkompanie. Damit war er wie schon 1921 als Hauptmann aktiv am Neuaufbau des Schützenvereins beteiligt. Bis 1958 noch blieb er auf diesem Posten. Dann konnte er das „Goldene Hauptmanns­jubiläum" feiern. 50 Jahre zuvor, so eine Meldung der Ruhrnachrichten, hatte er erstmals das Kommando übernommen. Seine Nachfolge übernahm Hein­rich Fleer.

In einer Zusammenfassung können wir folgendes festhalten: Wir sind zwar nicht so exakt und detailliert über die Besetzung der Vorstands- und Offi­ziers­ämter informiert, wie wir uns das vielleicht gewünscht hätten, mit den oben genannten sind jedoch sicher die Leute aufgeführt, die das Graeser Schüt­zen­wesen in den ersten 13 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend geprägt haben.

 

Das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen 1952

Am 18./19. Mai 1952 feierte der Schützenverein Graes sein 50jähriges Beste­hen. Von den im Gründungsjahr gewählten Vorstandsmitgliedern lebten noch die beiden Adjudanten Bernhard Elfering (Gerkemann) und Hermann Weßling (Elfering). Der König von 1902, Hauptlehrer Wilhelm Hüppe, war ein Jahr zuvor gestorben. Eingeladen zum Jubiläum waren die Schützen­ver­eine Epe, Bürgerschützen Ahaus, Wessum-Dorf, Wessum-Averesch, Alstätte-Dorf, Alstätte-Schwie­pinghook, Alstätte-Brink, Alstätte-Brook und Lünten. Bis auf die Ahauser folgten alle Vereine der Einladung und trugen zu einem harmonischen Fest bei.

Nach Angaben in der Tageszeitung gelang Alfons Söbbing (Rexing) bereits um 10.30 Uhr der Königsschuss. Zum Krönungsball waren dann auch alle bis­heri­gen Könige eingeladen. Zwölf von ihnen (von 18 seit der Grün­dung) sind auf dem unten stehenden Foto abgebildet.

 

Der Vorstand im Jubiläumsjahr

Zum Jubiläum ließ der Schützenverein eine neue Königskette anfertigen. Auf der Vorderseite der Jubiläumsplakette steht zu lesen: „50 Jahre Schützenver­ein Graes 1902–1952". Auf der Rückseite sind die Namen der amtierenden Vor­­standsmit­glie­der eingraviert. Demnach sind aus dem Vorstand, wie wir ihn aus dem Jahr 1949 kennen, fünf Mitglieder ausgeschieden, nämlich Bern­­hard Weß­ling, Josef Dües, Bernhard Möllenkotte (verzogen nach Schöp­­pin­gen), Hein­rich Terbeck und Wilhelm Ehler. Neu hinzugekommen sind Josef Benker, Alfons Hüntler, Josef Herickhoff, H. Fleer und Georg Hewing.