Die „Neuzeit" des Allgemeinen Schützenvereins 1902 e.V. bis zum 100-jährigen Bestehen

Wichtige Veränderungen in den 1960er Jahren

Das Jahr 1963 markiert eine Zäsur in der Geschichte des Schütz­en- und mehr noch des Kriegervereins. Wir erinnern uns: In den „ung eraden" Jahren war bislang immer das Kriegerfest an der Reihe gewesen. Im Jahr 1963 nun gab der Kriegerverein diese alte Tradition auf und verzichtete auf die Ausrichtung des Festes, weil der seit Jahren zu beobachtende Rückgang der Festgäste eine Weiterführung wenig sinnvoll machte. Der Schützenverein übernahm kurzerhand zusätzlich den frei gewordenen Termin und feiert seit diesem Zeitpunkt sein Schützenfest alljährlich. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein neuer Termin festgelegt. Wurde das Schützenfest seit 60 Jahren fast immer am zweiten Sonntag und Montag des Monats Mai gefeiert, einigte man sich jetzt auf den Pfingstmontag und -dienstag.

Am 25.3.1965 wurde der Schützenverein in das Vereinsregister eingetragen und trägt seither in seinem Namen den Zusatz „1902 e.V." Damit ist heute allerdings keine Gemeinnützigkeit mehr verbunden.

 

Geschäftsführende Vorstandsmitglieder 1965 bis 2002

Mit der Aufstellung der führenden Vorstandsmitglieder und Offiziere aus dem Jahr 1965 (siehe nächste Seite) beginnt der Zeitpunkt, ab dem die schriftliche Überliefe­rung des Schützenvereins eindeutig besser wird. Ab 1977 kön­nen dann sogar die Namen aller Personen genannt werden, die sich im Vor­stand und im Offizierskorps um den Schützenverein verdient gemacht haben.

Eine der prägendsten Persönlichkeiten im Vorstand war zweifelsohne Hein­rich Wessling, der schon wäh­rend des Zweiten Weltkriegs den Vorsitz über­nom­­men hatte. Im Jahr 1974 wählte ihn die Generalver­samm­lung zum ersten Präsidenten des Graeser Schützenvereins, für den er sich bis zu seinem Tod 1991 einsetzte – ein fast 50 Jahre andauerndes beispielhaftes Engagement.

Nachfolger Heinrich Wesslings im Amt des Vorsitzenden wurden Alfons Hünt­ler (1974–1981), Heinz Witte (Bröker, 1982–1994) und Heinrich Holle­kamp (seit 1994). Heinz Witte (Bröker) wurde 1994 zum Ehrenpräsidenten gewählt.
Alfons HuentlerHeinrich Hollekamp Heinz Witte

Schriftführer war auch 1965 immer noch Heinrich Wittebuer, der das Amt, wie in einem früheren Kapitel dargelegt, schon 1926 übernommen hatte. Auch er diente dem Schützenverein also ein halbes Leben lang. 1966 über­gab er seinen Posten an Kassierer Hubert Elkemann, der danach beide Ämter in Personalunion bis 1973 führte.

Neuer Schriftführer wurde 1973 Heinrich Wittenberg, 1988 legte er seinen Pos­ten nieder. Er sorgte in seiner Amtszeit dafür, dass regelmäßig von allen Vor­­stands­­­ver­­sammlun­gen schriftliche Protokolle angefertigt wurden. Gleich­zei­tig wurde erstmals gemeinsam darüber nachgedacht, – angeregt auch durch den neuen Kassierer Wilhelm Albers – wie die Einnahmen für das Schüt­zen­fest verbessert werden könnten. Zur Erinnerung: Im Jahr 1971 erziel­te man durch den Schützenfestverding eine Einnahme von 355 DM; dieser Betrag konnte bis heute erheblich gesteigert werden.

Nachfolger von Heinrich Wittenberg im Amt des Schriftführers wurde im Jahr 1988 Bernhard Dünne; auch er konnte viele Akzente setzen. 1996 löste ihn Werner Gesing ab.

Im Jahr 1973 wurde Wilhelm Albers zum Kassierer gewählt, als Nachfolger von Hubert Elkemann, der diesen Posten fast 25 Jahre lang inne gehabt hatte. Verbunden mit dieser Wahl war auch die Übernahme des Amtes des zweiten Vorsitzenden.

Dieses Prozedere wiederholte sich in gleicher Weise dann auch bei Gustav Söbbing, der 1986 zum Kassierer und gleichzeitig zum zweiten Vorsitzenden gewählt wurde. Ihm wiederum folgte im Jahr 1996 Alfons Homölle, der aber die Funktion des zweiten Vorsitzenden nicht übernahm, wie seine Vor­gän­ger es noch getan hatten. Diese Praxis war einige Zeit zuvor durch das Register­gericht (Amtsgericht Ahaus) untersagt worden. Zum zweiten Vorsitzenden wählte die Ver­samm­lung Günter Albers.

Oberste, Majore und Hauptleute seit 1963

Die Besetzung des Offizierskorps hat häufig gewechselt, so dass es nur schwer möglich ist, sie exakt zu dokumentieren. Das gilt in erster Linie für die 1960er Jahre. In den Protokollen zu den Generalversammlungen von 1963 und 1964 wird Lud­wig Plate als Oberst genannt. An seine Stelle trat 1965 und 1966 Josef Homölle, dem wiederum spätestens im Jahr 1968 Heinrich Fleer folgte. Heinrich Fleer blieb Oberst bis 1974. Auf dem Schüt­zen­fest 1975 wurde er zum General beför­dert. In seine Fußstapfen als Oberst trat Bernhard Dünne (1976–1977), gefolgt von Willi Nacke (1978).

Major ist in diesen Jahren wie schon seit 1949 August Korthoff. 1965 tritt an seine Stelle Heinrich Wigbels, der auch 1972 in dieser Funktion auf einem Foto abgebildet ist. Zwischen 1966 und 1971 kommen auch Clemens Ehler und Franz Bulk (sicher 1969) als Majore in Frage.

Wie wir schon wissen, wurde Heinrich Fleer 1958 Hauptmann. Bis etwa 1968 hat sich daran nichts geändert. Danach finden wir auf Fotos auch Clemens Ehler und Heinrich Wigbels in dieser Funktion.

Die Amtszeiten folgender Offiziere sind sicher nachgewiesen:

Heinrich Fleer Generaloberst von 1975 bis 1994,Oberst bis 1974,Hauptmann seit 1958

Willi Nacke General seit 2001,Oberst von 1978 bis 2000,Major 1976 und 1977

Bernhard Dünne Oberst 1976 und 1977,Major von 1973 bis 1975 und 1981

Hubert Herickhoff Major von 1978 bis 1980, 1984 und 1985

Franz Sudhues Major 1982, 1983 und 1986,Hauptmann von 1972 bis 1981

Hubert Leveling Major von 1987 bis 1990

Ludger Witte Major von 1991 bis 2000

Ludwig Leveling Hauptmann seit 1982

Ehemalige Offiziere ab 1977

Weitere ehemalige Offiziere können ab 1977 aus den Protokollen abgelesen wer­den. Hier die Aufstellung:

Blakert, Norbert

Brüning, Hermann

Brüning, Johannes

Büscher, Friedhelm

Bulk, Georg

Effkemann, Ewald

Egbringhoff, Werner

Ehler, Hugo

Elkemann, Berthold

Elkemann, Josef

Grunewald, Sebastian

Heynk, Norbert

Homölle, Bernhard

Meier, Hubert

Meiners, Josef

Plate, Paul

Rörick, Ludger

Rörick (Räker), Ludger

Söbbing (Heffler), Rainer

Vortkamp, Franz-Josef

 

Das Vereinsjubiläum zum 75-jährigen Bestehen 1977

1. Kaiserpaar - Josef Horst und Anni WittenbergIm Jahr 1977 feierte der Graeser Schützenverein sein 75-jähriges Bestehen. Ein umfangreiches Programm sorgte für ein unvergessliches Ereignis in unse­rer Gemeinde. Das Jubiläumsfest begann am Pfingstsamstag mit dem Kaiser­schießen. Fast alle Ex-Könige waren der Einladung des Schützenvereins gefolgt und nahmen engagiert am Ringen um die Kaiserwürde teil. Nach einem langen Wettbe­werb war es dann Josef Horst, der den Vogel von der Stange holte und damit als erster Kaiser in die Annalen des Graeser Schützenvereins einging. Zur Kaiserin wählte er sich Anni Witteberg. Schon diese erste Veranstaltung des Jubiläums wurde bei herrlichem Wetter zu einem richtigen Volksfest.

Am Pfingst­montag folgte dann der zweite Höhepunkt: Zahl­reiche Gäste und Nachbar­vereine nahmen an der bisher größten Parade der Graeser Geschichte teil und blieben auch zum sich anschließenden gemütlichen Umtrunk am Festzelt.

1979 begründete man die Tradition eines Kinderschützenfestes. Der Schützenverein erklärte sich bereit, die anfallenden Aufgaben zu übernehmen. Er beschaffte eine neue Vogelstange und sorgte für die Geneh­mi­gung zum Luftgewehrschießen. Auch eine Königskette wurde angeschafft: Sie hat heute bereits 27 Plaketten aufzuweisen.

Das Programm für das Kinderschützenfest sieht in der Regel folgender­maßen aus:

Wie die Erwachsenen marschieren die Kinder dann der Musikka­pel­le hinterher. Die Disziplin lässt manchmal zu wünschen übrig, was aber nicht weiter verwunderlich und schon gar nicht zu beklagen ist. Während­dessen bieten die Graeser Vereine in gemeinsamer Arbeit ein buntes Pro­gramm. Die Bevöl­ke­rung trifft sich zu Kaffee und Kuchen, für die Kleinsten gibt es Süßigkeiten, die kostenlos verteilt werden.

Das erste Kinderschützenfest dieser Art fand am 19. August 1979 im Fest­zelt am Sportplatz statt. Erster König wurde Andreas Hoffstädte, erste Köni­gin Monika Herickhoff.

 

Unser Schützenfest – Gesellschaftlicher Höhepunkt des Jahres in Graes

Sicher haben die meisten von uns häufig genug Gelegen­heit, sich mal so richtig auszulassen. Geburtstage, Namenstage, Betriebsfeste, Hoch­zei­ten, Jubiläen und Partys – die Anlässe sind zahllos. Da ist es kein Wunder, dass schon mal eine Ausrede gefunden werden muss, um einen verpflichtenden Termin absagen zu können.

Für das Fernbleiben vom Schützenfest muss die Ausrede jedoch schon sehr stichhaltig sein. Die Teilnahme ist sozusagen erste Bürgerpflicht. Schon Anfang des Jahres müssen im Betrieb Urlaubstage vorgemerkt werden. Private Feste werden so geplant, dass sie nicht mit dem Termin aller Termine kollidieren. Keiner möchte das Fest unnötig versäumen. Wir sehen – unser Schützenfest ist in Graes der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres, für den sich alle gern „in Schale schmeißen".

 

Die Vorbereitungen

Schon wenige Tage nach den Feierlichkeiten steht der nächste wichtige Ter­min ins Haus: Das Abrechnen. Schließlich muss jeder zu seinem Geld kommen. Das Königspaar hat die Zeche zu bezahlen, der Schützenverein gibt einen ordent­lichen Zuschuss. Damit ist die Schützensaison auch finanziell abge­schlossen.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, diese Erkenntnis eines Fußballtrainers gilt entsprechend ganz sicher auch für das Graeser Schützenfest. Einige Wochen nach der Abrechnung starten schon die Vorbereitungen für das nächste Fest. Die neuen Ausschreibungen müssen erarbeitet und verschickt werden. Die zurückkommenden Angebote werden in einem Verding-Termin geöffnet. Der meistbietende Wirt bekommt anschlie­ßend den Zuschlag.

Im Winter trifft sich das Offizierskorps zu seiner Versammlung, der Vor­stand des Vereins tut das Gleiche. Beide machen sich Gedanken über das kommende Fest und treffen erste Entscheidungen. Beim Vorstand geht es in dieser Phase vor allen Dingen darum, die Generalversammlung vorzubereiten, die alljährlich zu Palmsonntag einberufen wird.

Im zeitigen Frühjahr lädt der Vorstand des Schützenvereins den Thron und die Mundschenke zur Weinprobe ein. Es geht darum, den Wein herauszufinden, der für das kommende Fest der geeignetste zu sein scheint und der am Thron ausgeschenkt werden soll. Der Geschmack geht meistens in die etwas süßere Richtung, die wohl die Mehrheit der Gäste bevorzugt. Keine Frage, dass die Weinprobe auch immer zu einem gemütlichen kleinen Fest wird, das schon einen Vorgeschmack auf die kommenden Feierlich­kei­­ten vermittelt. Ähnli­ches gilt für das so genannte „Kette putzen", zu dem der König sein Gefolge einlädt.

Peinlich für den Vorstand und rufschädigend für den Vogelbauer wäre es, wenn das „Federvieh" nach wenigen Schüssen seinen Geist aufgäbe und vor­zei­tig von der Stange flatterte. 200 bis 400 Treffer sollte der Schützenvogel schon verkraften können. Deshalb ist es von großer Wichtigkeit, dass er von einem Fachmann hergestellt wird. Für den Rumpf wird aus Sicherheits­grün­den weiches Holz verwendet, Flügel und Schwanz entstehen aus entsprechend zugesägten Spanplatten. Zum Festtag erhält der Vogel vom Maler ein schickes buntes Federkleid. Die Insignien Krone, Zepter und Weltkugel leuch­ten in hellem Gold.

 

Eine kleine Generalprobe

Einen Vorgeschmack auf das Königsschießen bekommen die Schützen, wenn sie eine Woche vor Pfingsten, samstags um 17 Uhr, unter Beglei­tung der Musik­ka­pelle zur Vogelstange marschieren, um sie mit einem grünen Zweig zu schmücken. Diese alte Tradition nennt sich im Platt­deut­schen „Ries noa de Stange brengen". Nach dem Schmücken besteht für die Schüt­zen die Möglichkeit, sich im Sternschießen zu messen, wie es die Krieger auf ihren Kriegerfesten bis 1961 auch getan haben. Hierbei gibt es Geldpreise zu gewin­nen. Diese kleine Generalprobe für das Schützenfest geht unter freiem Him­mel bei Musik und Gesang meistens bis tief die Nacht, sofern es das oft noch frische Frühlingswetter erlaubt.

Unsere Schützen können nicht nur feiern

 

Die Video- und Fotoabteilung

Das Video-Team (nicht nur) des SchützenvereinsAls Hugo Ehler im Jahr 1980 zum ersten Mal mit seiner privaten 8-mm-Schmalfilm-Kamera das Schützenfest filmte, ahnte er sicher noch nicht, welchen Stein er damit ins Rollen bringen würde. Zunächst noch allein mit seiner Kamera unterwegs, sah man Hugo auch bei anderen wichtigen Ereignissen in Graes. Seine Filme übernahm anfangs der „Bund ehemaliger Soldaten" und später dann der Schüt­zenverein Graes 1902 e.V.

Im Jahre 1987 erhielt Hugo Ehler tatkräftige Unterstützung von zwei Vor­standsmitgliedern des Schützenvereins: Robert Hüntler und Gustav Söb­bing. Alle drei hatten die grundlegende Idee, alle wichtigen Ereignisse und Vorkommen im Heimatort Graes sowie dessen Vereine im Film festzuhalten und so das Geschehen in Graes für die Nachwelt zu erhalten. Das große Ziel hieß, ein umfangreiches Filmarchiv zu erstellen. Allen Beteiligten war klar, dass das noch ein weiter Weg und mit viel Arbeit verbunden sein würde.

Noch im selben Jahr entschied man sich, aus Kostengründen von 8mm Schmalfilmen auf Video-Filme umzustellen. Zum ersten Mal filmte Hugo Ehler das Schützenfest mit einer von Hugo Hüntler (Ottenstein) ausgeliehenen Video-Kamera. Das war der Startschuss für die neue Videofilm-Ära im Graeser Schützenverein.

Der Wunsch des Video-Teams, für Graes eine eigene Video-Kamera anzuschaffen, fand im Vorstand des Schützenvereins große Unterstützung, und so filmte Hugo Ehler dann erstmals auf dem Schützenfest 1988 mit der vereinseigenen Video-Kamera.

 

Das Lautsprecher-Team

Heute ist es selbstverständlich geworden, bei Veranstaltungen die Gäste und Zuhörer per Lautsprecherübertragung anzusprechen. Auch dafür ist mitt­lerweile umfangreiche Technik erforderlich, deren Bedienung entsprechende Kenntnisse erfordert. Nicht zuletzt geht es auch um die Frage des Transports und der Aufbewahrung. Für all diese Anforderungen hat der Schützenverein schon vor längerer Zeit zwei Freiwillige gefunden: Christian Plate und Christian Rörick.

 

Die Schießsportgruppe

Die Schießsportgruppe Graes besteht seit mehr als 25 Jahren. Sie wurde 1976 ins Leben gerufen. Die Schießsportgruppe Graes nimmt in jedem Jahr mit 14 weiteren Schieß­sport­gruppen aus Ahaus am Wettbewerb um den Bürgermeister-Pokal der Stadt teil. Durch mehrere Übungsschießtermine, die über das ganzes Jahr verteilt werden, bereiten sich die Graeser Schützen auf diesen Wettkampf vor. Mit Erfolg – konnten sie doch schon häufig Medaillen und andere Auszeich­nungen mit nach Hause nehmen.

Eine weitere Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen, bietet sich den Grae­ser Schützen bei der internen Vereinsmeisterschaft. Sie findet immer sonn­tags nach dem Grünen Abend auf der Schießsportan­lage in Ammeln statt. Die Sieger werden mit Pokalen und Medalien auf der Generalver­samm­-­lung oder auf dem Schützenfest ausgezeichnet.